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Ein besonderer Stammtisch am 24.02.2026 – eine Erzählung über eine Seenotrettung im Januar 1955

Viele von uns sind gekommen, der Raum war voll und von Anfang an war da diese entspannte, offene Atmosphäre, die unsere Treffen ausmacht.

Unser Mitglied Władysław Lisakowski hat sein Buch „Chalepnyce III – Eine polnisch-deutsche Geschichte“ vorgestellt – sehr persönlich und wirklich bewegend. Man hat gemerkt, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Im Anschluss wurde lange weitergesprochen genau dafür sind diese Abende da.

Doch nun die eigentliche Geschichte, wie sie in der Kreiszeitung am 28. Februar 2026 erschien:

Erzählt nach Jahrzehnten

„Chalepnyce III“ beleuchtet eine Deutsch-Polnische Seenotrettung im Jahre 1955

Bremen – Im Winter 1955 gerät das kleine polnische Fischerboot PUC-30 in der Nähe der Halbinsel Hela auf der Ostsee in ein Unwetter. Kurz vor dem Untergang werden die drei Männer .an Bord vom deutschen Fischkutter BX 434 „Wilhelm Peter gerettet. Das 60-seitige Büchlein „Chałepnyce III“ von Jerzy Budzisz, Hermann Wahlers und Wladyslaw Lisakowski erzählt die Ereignisse aus beiden Perspektiven. Lisakowski ist Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Bremen.

Die Ereignisse: Am 17. Januar 1955 gegen 14 Uhr verlässt das etwa achteinhalb Meter lange Fischerboot PUC-30 den Hafen Władysławowo an der Spitze der Ostsee-Halbinsel Hela. Ein Unwetter kommt auf und Wasser wird an Bord gespült. Der Motor fällt aus – es ist etwa 16 Uhr. Das Schifl treibt. Ein anderer polnischer Kutter entdeckt es, kann aber aufgrund des Unwetters nicht helfen. Der knapp 25 Meter lange Fischkutter BX 454 „Wilhelm Peter“ stellt den Seelachsfang weiter südöstlich ein, um hinter Hela Schutz zu suchen. Abends gegen 20.30 Uhr kommt es im Bereich des Übergangs der Ostsee in die Danziger Bucht zur Begegnung mit dem unkontrolliert nach Südosten driftenden Fischerboot, dessen Besatzung sich erschöpft dem Tode nahe sieht.

Bei miserabler Sicht kamen sich die Schiffe zu nahe. PUC-30 geht unter, aber die Besatzung wird gerettet. An Bord der BX 434 „Wilhelm Peter“ geht es hinter die schützende Halbinsel.

Der Versuch. bei dem Wetter in einen Hafen einzufahren. Scheitert. Schließlich werden die drei polnischen Besatzungsmitglieder von einem Militärmotorboot abgeholt. In der Orkan-Nacht sollen 26 Menschen auf See im Bereich um die Halbinsel ihr Leben verloren haben, hat Lisakowski im Austausch mit Budsiszs erfahren. Józef Bołda, der Maschinist an Bord des polnischen Bootes war, hat die Geschichte 1984 auf Tonband aufgenommen, sagt Lisakowski. Er starb 1985. Jerzy Budsisz, Boldas Nachbar und selbst zur See gefähren. hat diese Übermittlung 2017 niedergeschrieben.  Sie erschien in dem polnischen Band „Chalepnyce“. So bezeichnen die Kaschuben – Bolda war Kaschube in ihrer Sprache die Ortschaft Chałupy auf der Halbinsel, neun Kilometer enttemt von Wladysławowo.

Lisakowski stammt aus Władysławowo und floh 1988 in den Westen. Dann kam er über eine Internetrecherche in Kontakt mit dem damaligen Kapitan Hermann Richert. der noch immer bei Kiel lebte, und konnte sich mit ihm austauschen. bevor dieser 2024 starb. Richard floh mit weiteren Familienmitgliedern selbst aus dem damaligen Rügenwaldermünde, heute Darłówko, vor den Russen. Das Buch -Chałepnyce II“ ist um die Rechercheergebnisse aus Deutschland erweitert.  Anhand einer sachlichen Übersetzung von „Chałepnyce II“ von Lisakowski hat Hermann Wahlers die Ereignisse als Erzählung verfasst— veröffentlicht in „Chalepnyce III“. 1000 Exemplare wurden gedruckt, publiziert im Selbstverlag. Interessenten können das Büchlein über die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen gegen eine Spende erhalten. Weitere Infos dazu gibt es unter Telefon 0421/43604038 sowie unter www.dpg-bremen.de.

MARTIN KOWALEWSKI